Wenn du mit dem Klavierspielen beginnen möchtest, ist eine der am häufigsten empfohlenen Schulen die Klavierschule „Beyer“.
Man sagt, sie helfe dabei, Grundlagen aufzubauen, die von Klassik bis Pop breit anwendbar sind. Viele fragen sich jedoch: „Ist das nicht eine alte Schule und deshalb schwer?“ „Bringt sie wirklich etwas?“
Dieser Artikel erklärt übersichtlich die „Beyer“-Schule, ihre Vor- und Nachteile sowie effektive Übemethoden.
Was ist die Klavierschule „Beyer“?
Geschichte und Überblick über Beyer

- Besteht aus 106 Etüden
- Die schrittweise steigende Schwierigkeit erleichtert das Lernen in Etappen
- Weltweit im Einsatz dank seiner langen Geschichte
„Beyer“ ist eine Sammlung von Klavieretüden, die im 19. Jahrhundert vom deutschen Komponisten Ferdinand Beyer erstellt wurde.
Sie gilt weithin als „die erste Schule, der Anfänger begegnen“, und jeder, der ernsthaft Klavier gelernt hat, hat wahrscheinlich schon davon gehört.
Sie ist ein klassischer Einstieg in das Studium der klassischen Musik.
Warum ist Beyer so berühmt?

Dies sind die Hauptgründe, warum die Klavierschule „Beyer“ so bekannt ist.
- Standardwerk für Grundlagen: Basistechniken wie Tonleitern und Rhythmus effizient erlernen
- Bewährt in der Pädagogik: Historisch in Musikschulen und im allgemeinen Unterricht eingesetzt
- Schritt-für-Schritt-Aufbau: Studien sind nach Niveau geordnet und eignen sich auch gut zum Selbststudium
Zentrale Eigenschaften von Beyer

Vorteile
◯ Ideal, um Grundlagen zu meistern
Da sie mit einfachen Melodien und Rhythmen beginnt, eignen sich Fingersatz und Notenlesen ganz natürlich an.
◯ Stufenweise Lernschritte
Jedes Stück wird nur etwas schwieriger, sodass Anfänger ihren Fortschritt gut spüren können.
◯ Tor zur klassischen Musik
Fördert ein grundlegendes klassisches Empfinden und erleichtert den Übergang zu weiterem Repertoire.
Nachteile
◻︎ Wirkt teils altmodisch
Da sie im 19. Jahrhundert entstand, kann sie im Vergleich zu moderner Musik und Pop altbacken klingen.
◻︎ Frühe Phasen können monoton wirken
Es gibt viele Wiederholungen, daher sind Strategien zur Aufrechterhaltung der Motivation nötig.
◻︎ Bis zu Lieblingsstücken kann es dauern
Manche moderne Schulen führen Popstücke von Anfang an ein; im Vergleich dazu kann Beyer für Eilige langsam wirken.
Effektive Lernwege mit Beyer
Hier findest du Übetipps für Beyer und Methoden, die Motivation hochzuhalten.
Übetipps

◯ Auf Handform und Fingersatz achten
In den ersten Beyer-Phasen sind die Fingersätze besonders wichtig. Halte die Hand rund und gewöhne dir eine saubere Haltung an – das reduziert späteren Aufwand.
◯ Hände getrennt üben
Statt sofort beidhändig zu spielen, zuerst rechte, dann linke Hand üben. So verankerst du Rhythmus und Melodie sicher.
◯ Mit langsamem Tempo beginnen
Zu früh schnell zu spielen führt zu unsauberen Fingern und Fehlern. Starte langsam und sorgfältig mit Fokus auf sauberen Klang.
Motivation erhalten

◯ Kleine Ziele setzen
Formuliere konkrete Etappen wie „Diese Woche perfektioniere ich die rechte Hand“ oder „Nächste Woche spiele ich beide Hände im Tempo“ – und genieße die Erfolgserlebnisse.
◯ Kurz und regelmäßig üben
Statt einer langen Einheit sind tägliche, häufige Einheiten von 15–30 Minuten wirksamer.
◯ Aufnehmen und reflektieren
Nimm dich mit dem Smartphone auf und höre objektiv zu – so findest du Ansatzpunkte für Verbesserungen.
Beyer im Vergleich mit anderen Klavierschulen
Burnam

Schwierigkeit / Stufe: Einführung bis Anfänger
Kernmerkmale
Kurzstücke mit Strichmännchen-Illustrationen – so lernst du Spielweise und Rhythmus spielerisch.
Für wen?
Als Warm-up vor Beyer oder Burgmüller, um Fingerunabhängigkeit und Beweglichkeit geschmeidiger zu entwickeln.
Hanon

Schwierigkeit / Stufe: nützlich vom Beyer-Anfänger bis zum Fortgeschrittenen
Kernmerkmale
• Intensive Fingerbeweglichkeit durch wiederholte Muster wie Tonleitern und Arpeggien
• Mit wenig Melodieanteil ideal zum Aufwärmen und zum Festigen schwächerer Techniken
Für wen?
• Wer parallel zu Beyer die Fingerunabhängigkeit ausbauen möchte
• Wer Grundlagen für spätere Studien (Czerny, Inventionen usw.) stabilisieren will

Burgmüller (z. B. 25 leichte und fortschreitende Etüden, Op. 100)

Schwierigkeit / Stufe: nach Abschluss von Beyer bis frühes bis mittleres Vorstadium
Kernmerkmale
• Viele Stücke mit sanften, schönen Melodien – fördern Ausdruck und kantables Spiel
• Attraktiv, weil Technik und Musikalität gleichermaßen entwickelt werden
• Jedes Stück hat einen Titel (z. B. „Arabeske“, „Engelsstimmen“), der die Vorstellungskraft anregt
Für wen?
• Lernende, die nach Beyer den nächsten Schritt gehen
• Wer neben Technik auch Phrasierung und Ausdrucksgestaltung genießen möchte
Czerny

Schwierigkeit / Stufe (je nach Reihe)
„Czerny 100 Easy Studies“ (Op. 139): parallel zu oder nach Beyer als Ergänzung
„Czerny 30 Etüden“ (Op. 849): etwa gleich oder etwas schwieriger als Burgmüller
„Czerny 40 / 50 Etüden“ (Ops. 299 / 740): für den Weg zu Mittel- bis Fortgeschritten
Kernmerkmale
• Fokus auf Technik wie Fingerunabhängigkeit, schnelle Passagen, Repetitionen
• Kann monoton wirken, steigert aber zuverlässig die Fingergewandtheit
Für wen?
• Spieler, die eine solide technische Konditionierung anstreben
• Wer Skalen- und Fingerübungen für die klassische Interpretation gründlich trainieren möchte
Inventionen (Bach)

Schwierigkeit / Stufe: nach Burgmüller oder Czerny Op. 849 bis mittleres Niveau
Kernmerkmale
• Polyphone Studien von Bach für zwei und drei Stimmen
• Mehrere gleichzeitige Melodien trainieren eine fortgeschrittene Unabhängigkeit beider Hände
• Schärft Phrasierungsdetails und das Gehör für überlagerte Linien
Für wen?
• Für alle, die klassisches Repertoire ernsthafter spielen möchten
• Für jene, die mit Bewusstsein für Resonanz und Klangfarbe musizieren lernen wollen
Sonatinen-Album

Schwierigkeit / Stufe: parallel zu Czerny Op. 849 und den Inventionen bis mittleres Niveau
Kernmerkmale
• Sonatinen von Haydn, Mozart, Beethoven u. a.
• Grundlagen der Sonatenform vertiefen das Verständnis der Klassik
• Optimal, um Formgefühl und Ausdruck zu entwickeln
Für wen?
• Lernende, die den Weg vom Barock zur Klassik nachzeichnen und zu Sonaten bzw. anspruchsvolleren Werken aufsteigen möchten
• Wer neben Technik auch Strukturverständnis und Basistheorie erwerben will
Beispielhafter Lernverlauf

- Burnam (Einführung–Anfänger): Grundlagen spielerisch mit Strichmännchen-Illustrationen
- Beyer: die elementarsten Klavierfertigkeiten festigen
- Hanon: Übungen für Fingerunabhängigkeit und -agilität
- Burgmüller: Grundlagen anwenden, Ausdruck und leichte Technik erweitern
- Czerny (etwa Op. 849): Unabhängigkeit und Geschwindigkeit für fortgeschrittene Technik ausbauen
- Inventionen (Bach): polyphonen Ausdruck und Klangkontrolle lernen
- Sonatinen-Album: Formverständnis und Ausdruck über kleine klassische Sonaten vertiefen
Natürlich kann die Reihenfolge je nach Zielsetzung und Unterrichtskonzept variieren.
Manche lernen parallel auch Popularmusik – bleib flexibel und halte deine Motivation hoch.
Nächste Schritte nach Beyer: Lernpläne für Mittelstufe und darüber hinaus

Empfohlene Bücher & Stücke nach Abschluss von Beyer
◯ Czerny
Anspruchsvoller als Beyer und effektiv für fortgeschrittenere Technik. Wähle je nach Niveau z. B. Czerny 30 oder 40.
◯ Burgmüller
Viele Stücke mit schönen Melodielinien – ideal, um Ausdruck zu verfeinern.
◯ Pop- und Anime-Songs
Lieblingsstücke einzubauen hilft, die Motivation langfristig zu halten.
Kombination mit Unterricht und Online-Lernen
Präsenzunterricht
Wenn Fachleute Haltung und Rhythmus prüfen, lassen sich Probleme, die beim Alleinlernen schwer erkennbar sind, schneller beheben.
Online-Unterricht
Zu Hause kannst du Handbewegungen und Ausdruck effizient erlernen – ideal für vielbeschäftigte Lernende.
Fazit: So nutzt du die Klavierschule „Beyer“ optimal
Beyer ist eine hervorragende Schule, um als Anfänger die Grundlagen zu festigen.
Auch wenn die Stücke klassisch geprägt sind, hilft gerade dieser Fokus, das Fundament des Klavierspiels – Notenlesen, Fingersatz und Rhythmusgefühl – stetig aufzubauen.
- Vorteile: geeignet zum Erwerb solider Grundlagen; erleichtert den graduellen Aufstieg
- Nachteile: der klassische Stil kann unbefriedigend sein, wenn du vor allem Pop spielen möchtest
- Effektives Üben: Hände getrennt, langsames Tempo, kleine Zielsetzungen
- Nächste Schritte: mit Schulen wie Czerny oder Burgmüller kombinieren und parallel Lieblingsstücke üben, um Frust vorzubeugen
Wenn die Grundlagen sicher sitzen, erweitert sich dein Repertoire – und du kannst dich an deine Lieblingsstücke heranwagen.
Wenn du mit dem Klavier anfängst oder deine Basis von Grund auf erneuern willst, starte mit den Grundlagen der „Beyer“-Schule.
