Hanon ist eine Übungssammlung, die als Standardmethode zum Aufbau von Technik beim Klavierlernen hoch geschätzt wird.

Da sie Fingerbeweglichkeit intensiv durch Tonleitern, Arpeggien, repetierte Töne u. a. trainiert, wird sie von Anfängern ebenso wie von fortgeschrittenen Spielern breit genutzt.

Dieser Artikel erklärt übersichtlich die Grundlagen und Merkmale der Klaviermethode „Hanon“ sowie effektive Übungsansätze.

Hanon Übung Nr. 1

Was ist die „Hanon“-Klaviermethode?

Geschichte und Überblick zu Hanon

Was ist die Hanon-Klaviermethode? Geschichte und Überblick
Merkmale
  • Eine Sammlung von 60 kurzen Übungen in progressiver Reihenfolge
  • Hauptziel ist die Förderung von Fingerunabhängigkeit, Flexibilität und Beweglichkeit.
  • Durch viele einfache, sich wiederholende Phrasen für Spieler vom Anfänger- bis zum Fortgeschrittenenniveau geeignet.

„Hanon“ wurde vom französischen Musikpädagogen Charles-Louis Hanon entwickelt und ist eine auf das Fingertraining am Klavier spezialisierte Etüdensammlung.

Warum ist Hanon so bekannt?

Hanon-Klaviermethode

Die wichtigsten Gründe für die Bekanntheit der Klaviermethode „Hanon“:

  • Hohe Vielseitigkeit: Unabhängig davon, ob man z. B. mit Beyer oder Burgmüller arbeitet – die parallele Nutzung von Hanon stärkt die grundlegende Fingertechnik.
  • Effiziente Kurzübungen: Jede Studie umfasst ca. 1–2 Seiten – ideal zum Aufwärmen oder bei wenig Zeit.
  • Bewährter Klassiker: Weltweit im Musikunterricht im Einsatz – reichlich Lehrmaterial und Tipps von Pädagogen.

Besonderheiten von Hanon

Hanon-Methode: Merkmale, Vor- und Nachteile

Vorteile

◯ Steigert die Fingerbeweglichkeit
Tonleitern, Arpeggien und Repetitionstöne lassen sich effizient üben – die Geläufigkeit der Finger verbessert sich.

◯ Gleichmäßiges Training beider Hände
Viele Übungen verwenden identische Muster für beide Hände oder wechseln ab.

◯ Spürbare Effekte in kurzer Zeit
Schon als tägliches Warm-up verändert Hanon das Fingerspitzengefühl und wirkt sich positiv auf andere Stücke aus.

Nachteile

◻︎ Geringer Melodieanteil
Die mechanischen Muster sind wenig musikalisch; manche finden sie monoton.

◻︎ Zu viel kann ermüden
Einfache Wiederholung kann die Muskulatur überlasten und zu Ermüdung oder Schmerzen in Fingern und Handgelenken führen.

◻︎ Auf Haltung und Fingersatz achten
Wiederholung mit falscher Technik kann kontraproduktiv sein – Kontrolle durch Fachlehrkraft ist empfehlenswert.

Hanon effektiv lernen

Hier sind Übungstipps und Wege, die Motivation beim Hanon-Training hochzuhalten.

Übungstipps

Hanon: effektive Übungstipps

Langsam und präzise beginnen
Nicht sofort schnell spielen – mit Metronom in angenehmem Tempo die Genauigkeit priorisieren.

Schwachstellen gezielt üben
Muster isolieren, die Probleme bereiten (z. B. Repetitionstöne oder große Lagenwechsel), und separat drillen.

Locker bleiben und auf Atmung achten
Übermäßige Spannung belastet Handgelenke und Arme, bremst den Fortschritt und erhöht das Verletzungsrisiko.

Motivation erhalten

Hanon: Motivationstipps

Mit kurzen Einheiten starten
Anfangs genügen 1–2 Minuten als Warm-up. Ohne Druck eine nachhaltige Routine aufbauen.

Fortschritte dokumentieren
Kleine Ziele setzen, z. B. „Heute Tempo XX erreicht“ oder „Schwachstellenmuster einmal fehlerfrei geschafft“.

Parallel zu anderen Stücken üben
Um die Langeweile des „nur Fingerbewegens“ zu vermeiden, Hanon mit Lieblingsstücken oder melodischen Etüden kombinieren.

Vergleich: Hanon und andere Klaviermethoden

Burgmüllers „Burnam“ (Burnam-Methode)

Hanon vs. Burnam

Schwierigkeitsgrad / Stufe: Einstieg bis Anfänger

Wesentliche Merkmale
Kurzstücke mit Strichmännchen-Illustrationen – Grundlagen spielerisch erlernen.

Für wen geeignet?
Wer Hanon als zu anstrengend oder zu monoton empfindet, beginnt sinnvoll mit Burnam, bevor er zu Hanon wechselt.

Beyer

Hanon vs. Beyer

Schwierigkeitsgrad / Stufe: Absolute Anfänger

Merkmale
„Klaviergrundlagen“ wie Notenlesen und Rhythmus erlernen.

Kombination mit Hanon
Hanon als kurzes Warm-up vor den Stücken spielen, um das Fingergefühl zu kalibrieren.

Burgmüller

Hanon vs. Burgmüller

Schwierigkeitsgrad / Stufe: Nach Beyer bis frühes Mittelstufe-Niveau

Merkmale
Etüden mit schönen Melodien zur Förderung der Ausdrucksfähigkeit.

Kombination mit Hanon
Wer den Fokus auf Ausdruck legt, kann mit Hanon aufwärmen und anschließend musikalisch in die Stücke starten.

Czerny

Hanon vs. Czerny

Schwierigkeitsgrad / Stufe: Von Anfänger bis Fortgeschritten (Op. 599/849/299 etc.)

Merkmale
Etüden zur Stärkung der Technik – Fingerunabhängigkeit und schnelle Passagen.

Kombination mit Hanon
In Kombination mit Czerny: Mit einfachen Mustern aufwärmen, dann zu Czernys praxisnahen Etüden übergehen.

Inventionen (Bach)

Hanon vs. Bachs Inventionen

Schwierigkeitsgrad / Stufe: Mittleres Niveau

Merkmale
Zwei- und dreistimmiger Satz; Unabhängigkeit und Ausdruckskontrolle beider Hände werden geschult.

Kombination mit Hanon
Mit Hanon die Kontrolle beider Hände ergänzen, um kontrapunktische Klarheit zu unterstützen.

Sonatinen-Album

Hanon vs. Sonatinen-Album

Schwierigkeitsgrad / Stufe: Mittelstufe (oft parallel zu Inventionen und Czerny Op. 599/849)

Merkmale
Klassische Sonatenform verstehen, um Strukturbewusstsein und Ausdruck weiter auszubauen.

Kombination mit Hanon
Hanon-Wiederholungen helfen, linken Alberti-Bass und schnelle rechte Passagen zu stabilisieren.

Beispiel für eine Lernabfolge

Hanon: Beispielhafter Studienablauf
Studienbeispiel
  1. Burnam (Einstieg–Anfänger): Grundlagen mit Strichmännchen-Illustrationen spielerisch aufbauen.
  2. Beyer: Basiskompetenzen am Klavier erwerben.
  3. Hanon (parallel oder nach Beyer): Fingerunabhängigkeit und Beweglichkeit in kurzer Zeit effizient trainieren.
  4. Burgmüller: Musikalität und Ausdruck fördern und dabei die Grundtechnik weiterentwickeln.
  5. Czerny (Bereich Op. 599–849): „Fingerarbeit“ wie schnelle Passagen und Repetitionstöne kräftigen.
  6. Inventionen (Bach): Ausdruck und analytisches Denken durch Mehrstimmigkeit vertiefen.
  7. Sonatinen-Album: Klassische Sonatenform verstehen und den Schritt zur Mittelstufe festigen.

Innerhalb dieser Abfolge kann Hanon jederzeit als Warm-up integriert werden.

Besonders wirkungsvoll ist es in Phasen mit Technikfokus (etwa rund um die Czerny-Etüden).

Nächste Schritte nach Hanon: Lernpläne für Mittelstufe und darüber hinaus

Hanon: nächste Schritte und Lernpläne für Mittelstufe

Empfohlene Methoden & Stücke nach Abschluss von Hanon

◯ Czerny Op. 849 / Op. 299 (40 & 50 Studien)
Die mit Hanon gewonnene Beweglichkeit in fortgeschrittenen Etüden anwenden und das Level steigern.

◯ Inventionen
Die mit Hanon trainierte Fingerunabhängigkeit und Agilität ist hier äußerst hilfreich.

◯ Romantische Etüden (Chopin, Liszt, Schumann u. a.)
Verlangen Technik und hohen Ausdruck – hier zahlt sich die Hanon-Basis besonders aus.

Kombination mit Präsenz- oder Online-Unterricht

Präsenzunterricht
Lehrkräfte können Fingersatz und Haltung prüfen und so ineffektives Üben vermeiden helfen.

Online-Unterricht
Unterricht per Videoanruf zu Hause; Aufnahmen nutzen, um die eigene Haltung objektiv zu überprüfen.

Fazit: Das Beste aus der „Hanon“-Methode herausholen

Hanon ist eine Übungssammlung, die Fingerbeweglichkeit effizient aufbaut und bei Spielern vom Anfänger- bis zum Fortgeschrittenenniveau beliebt ist.

Obwohl die Wiederholungen wenig melodisch sind – und daher ermüdend wirken können – lassen sich mit kurzen, fokussierten Einheiten große Fortschritte erzielen.

Zusammenfassung
  • Vorteile: Fundament wie Tonleitern & Arpeggien wird gefestigt; gut mit anderen Lehrwerken kombinierbar.
  • Nachteile: Kann monoton wirken; ohne Form-/Haltungscheck ggf. negative Effekte.
  • Effektiver Übungsablauf: Langsam & präzise → Schwachstellen fokussieren → In einem vernünftigen Umfang wiederholen.
  • Nächste Schritte: Ideale Vorbereitung auf weiterführende Studien wie Czerny und die Inventionen.

Setzt man Hanon gezielt als Warm-up und zur Überwindung von Schwächen ein, verbessern sich Stabilität und flüssige Fingerarbeit deutlich.

In Kombination mit anderen Lehrwerken lässt sich Technik und musikalischer Ausdruck ausgewogen weiterentwickeln.